18 August 2006

Ich bewege mich auf dünnem Eis

Natürlich habe ich mir nach den Bombenfunden in den Regionalzügen dreimal überlegt, ob ich wirklich noch mit der Bahn fahren sollte. Aber da es mir finanziell kaum möglich ist, einen Helicopterflug von Düsseldorf nach Trier zu mieten, bin ich dann doch brav in den Regionalzug 'Rheinexpress' vom neuen düsseldorfer Hauptbahnhof (Flughafen) Richtung Koblenz gestiegen. Der Interregio wäre eine vielleicht sicherere Alternative gewesen, aber wer soll das denn bitteschön bezahlen? Der Regionalexpress brauchte für die Strecke auch nur unwesentlich länger, das Manko war natürlich der Aufenthalt und das Umsteigen in Koblenz - diesmal natürlich in einen Interregio (da ich auf der weiteren Strecke in egal welchem Zug für Lau mitfahren darf), der, wie sich leider herausstellen sollte, ein gutes Stück schrottiger als der Regionalexpress war. Die übertriebene Plakatierung am koblenzer Hauptbahnhof ("Die Kriminalpolizei bittet um Ihre Mithilfe. Kennen Sie diesen Koffer?") führte einem dann auch dankenswerterweise wieder die eigene Vergänglichkeit deutlicher vor Augen als jedes Barockgemälde. Meinen Aufenthalt verbrachte ich demnach nicht am Bahnhof neben der Gepäckaufbewahrung sondern lustwandelte zum deutschesten aller Ecke(n), nämlich dem Deutschen. Die Weiterfahrt war so ereignislos wie studentenlastig. Vor mir hämmerte ein Jurist freudig seine Hausarbeit in seinen tragbaren Rechner, neben mir saß ein Bekannter aus meinem kleinen elitären Studienfach, schräg gegenüber wehrte sich eine ausländische Studierende gegen die Gesprächsanbahnungsversuche einer ihr gegenüber sitzenden älteren Frau durch ihre mangelnden Deutschkenntnisse erfolgreich. Aber warum sich wegen Terrorattentaten Gedanken machen? In der Pressekonferenz des BKA hieß es heute ja schließlich, man solle das erstens nicht und zweitens seinen die selbstgebastelten UBSVs (Unkonventionelle Brand- und SprengVorrichtungen) zwar gezündet worden, aber nicht detoniert. Sehr nachvollziehbar ist deshalb, daß man den Täterkreis auf Personen mit deutscher Schulbildung einschränkt. Ob man wegen des Michael-Ballack-Trikots des mutmaßlichen Täters und seiner Torsten-Frings-ähnlichen Frisur auch in diese Richtung ermittelt, blieb in der PK des BKA leider ungefragt. Obwohl, wer weiß. In der Fernsehübertragung hört man die Fragen der Journalisten ja leider - dank unzureichender Mikrofonausstattung - nie, das Gemurmel der Kriminalbeamte untereinander ("laufende Ermittlung") umso deutlicher. Aber das ist ja auch irgendwie aufschlußreich und lustig.

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