21 Juli 2011

endlich Lebensmittelklarheit! Woooohoooo!

...oder anders: Hätte ich etwas mit der neuen, überall in der Presse gehypeten Webseite lebensmittelklarheit.de zu tun, ich würde ganz groß "Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen" in den Header schreiben und mich aus dem Staub machen.
Momentan ist die Seite tatsächlich erreichbar (durch den ersten Ansturm war das eher nicht der Fall), aber ich frage mich wirklich, welche Informationen die Leute auf diese Seite treibt. Deshalb biete ich hier mal - quasi als unterstützenden Service - paraphrasiert wieder, welche Informationen der sich beschwerende Kunde von den Produzenten erhält - und das in aller Kürze, also tl;dr.
Auf lebensmittelklarheit.de gibt es nämlich eine tolle Rubrik, die Kundenbeschwerden den Einschätzungen der Verbraucherzentrale und den Antworten aus den Pressestellen von Massenfrassproduzenten gegenüberstellt. Hier also mal drei Beispiele:

Wurstsalat
Kunde: Da steht "keine Konservierungsstoffe" druff, sind aber welche drin. Doof!
Verbraucherzentrale: Ja, der Kunde könnte tatsächlich meinen da wären keine drin.
Pressesprech: Nene, da steht nicht "ohne Konservierungsstoffe" drauf sondern "Ohne Zusatz von Konservierungsstoffen". Außerdem sind das sehr wohlschmeckende Konservierungsstoffe.

Salattunke (nicht) aus Sylt
Kunde: Da steht "Sylt" druff, das is aber nich aus Sylt.
Verbraucherzentrale: Ja, man könnte vielleicht meinen, das hätte was mit Sylt zu tun.
Pressesprech: Is trotzdem lecker das Zeuch. Außerdem waren wir mal auf Sylt. (evtl. liest man noch ein "Eure Armut kotzt uns an" zwischen den Zeilen, wenn man ganz genervt drauf ist)

Brühe
Kunde: Da steht druff, dat da kein Geschmacksverstärker drin is, da is aber Hefeextrakt drin!
Verbraucherzentrale: Ja, da steht wohl auch irgendwas auf der Packung.
Pressesprech: Hefeextrakt is doch lecker!

Also so in etwa sehen die Qualitätsinformationen aus, die für Lebensmittelklarheit sorgen. Naja.
Ich will jetzt hier überhaupt nicht über die Verbraucherzentralen herziehen, die ich für richtig und wichtig halte, aber warum die eine Webseite unter großem Presse-Tamtam aufziehen müssen, um solche Nullinfos von Frassproduzenten weiterzureichen, die sich irgendein ********* ********* aus den Fingern gedrückt hat, ist mir Recht unverständlich.
Als ob die breite Masse nicht schon längst wüsste, wie Produzenten oder Diensteanbieter mit Kundenbeschwerden und/oder -bedenken umgehen. (Schließlich haben die Besucher von lebensmittelklarheit.de wahrscheinlich einen Internetanschluß) ...

Und da sich der geneigte Leser jetzt wahrscheinlich fragt, wo er stattdessen hinsurfen soll im Auftrag der Lebensmittelklarheit, sei er einfach mal auf foodwatch.de verwiesen und z.B. auf deren Projekt abgespeist.de. (Schließlich sterben manche evtl. doch nicht gerne dumm - sagt zumindest der Volksmund)

(Bild: Screenshotausschnitt lebensmittelklarheit.de)

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2 Comments:

At 23:01, Anonymous Tim said...

Jetzt wollen die mir bestimmt noch erzählen, dass Pumakäse nicht von Pumas hergestellt wird.
Abgespeist.de ist leider genau so eine Jammerplattform, also kein Gewinn.

 
At 14:20, Blogger amorphe Welt said...

Naja, abgespeist hat mit seinem goldenen Windbeutel wenigstens Presseecho - und wenn die Leute da draufklicken steht da immerhin etwas zu den Werbelügen. Wem das eh schon bekannt ist, dem bringt das natürlich nichts. Noch weniger (als Info für den Endverbraucher) bringen m.E. jedoch längliche Briefwechsel mit juristischen Spitzfindigkeiten, was nun wo und warum auf welcher Verpackung steht oder stehen darf und was nicht.
Als Linguist freue ich mich meist darüber, wenn sich die Leute an bestimmte Kommunikationsmaximen halten und kann diese "weißer als weiß"-Werbung nur ganz schwer ertragen. Deshalb: Wo ist jetzt der verdammte Puma, den ihr mir versprochen habt?

 

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