15 Dezember 2012

Wort(neuschöpfung?) des Jahres

Die Gesellschaft für deutsche Neologismen ... ne, die Gesellschaft für unbekannte Wörter ... ne, die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das Wort des Jahres gewählt. Es ist *Trommelwirbel*
Rettungsroutine
... ja, ich habe mich auch gefragt, ob ich dieses Wort vor der Pressemitteilung der GfdS überhaupt schon ein einziges mal gehört oder gelesen habe. Die Antwort darauf lautet schlicht nein. Das ist auch nicht sehr verwunderlich, da die Gesellschaft das Wort des Jahres anhand seiner "Signifikanz" bzw. "Popularität" aussucht und nicht anhand seiner Vorkommenshäufigkeit. Mir als Computerlinguisten sei es bitte verziehen, wenn ich da ein Stechen in der Magengegend bekomme. Ein Wort, das niemand kennt und schon gar nicht benutzt ist für mich nicht "populär". Oder anders: Auf der allgemein anerkannten Skala der Fanta4 ("gestern niemand morgen tot und dazwischen was populär") ist "Rettungsroutine" für mich eher ein Niemand.
Wenn "Rettungsroutine" also schon nicht populär ist, dann muß es zumindest sehr "signifikant", also irgendwie "bezeichnend" für 2012 sein. Man darf gerne darüber streiten, ob 2012 das Jahr war, in dem noch immer und/oder auch weiterhin oder irgendwie routinierter als sonst der Euro gerettet wurde und wie kennzeichnend das ist. Wenn dem so ist, würde sich das nicht auch irgendwie in der Sprache niederschlagen? Vielleicht in einem Wort, das auch tatsächlich verwendet wird? Nicht? Na gut, dann nicht.
"Weltuntergangsankündigungswiederkehr" - wäre das nicht ein prima "Wort des Jahres" gewesen? Benutzt zwar kein Mensch, aber jeder weiß, daß 2012 (mal wieder) DAS Weltuntergangsjahr ist. Mayakalender und so. Auch ein sprachlich höchst interessantes Wort. Ein tolles, signifikantes, in meinen vier Wänden fast schon populäres Wort.
Oder soll es etwas politisches sein? Ein Wort, das ein Statement setzt? Da hätte ich noch "Klimakonferenzismus" anzubieten. Da treffen sich "die feinen Herrn Politiker" schon seit Jahren auf diesen Konferenzen (so auch 2012), das Klima ist aber noch immer nicht gerettet. Nicht "signifikant" genug? Was ist denn mit "Bundespräsidentenrücktrittsgewohnheit"? Schließlich war 2012 das Jahr, in dem das Zurücktreten des Bundespräsidenten (nach Köhler mit Wulff) schon fast Tradition wurde.
Wahrscheinlich lassen sich noch ein paar (bis viele tausend) andere Wörter (er)finden, die auf irgendein Ereignis aus diesem Jahr verweisen. Ich verstehe nur überhaupt nicht, warum man so ein Wort, das niemand kennt, versteht und benutzt, als "Wort des Jahres" bezeichnen sollte.

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