29 April 2009

Wolfram alpha

...Stephen Wolfram hat bei mir ja ein Stein im Brett - und das nicht nur, weil ich mit Mathematica schon im letzten Jahrtausend meine Ergebnisse z.B. der ein oder anderen Kurvendiskussion überprüfen konnte. Nicht selten lag ich mit meiner Stift+Papier-Methode falsch und dank der lustigen Formeln, die Mathematica ausspuckte, wusste ich dann sogar, wo mein Fehler lag.
Schon einige Zeit davor begegnete mir der Name Wolfram (wenn ich mich richtig erinnere) in einem Buch über AI, dort natürlich im Zusammenhang mit Zellularautomaten. Automaten sind auch das, womit sich Wolfram seit Jahrzehnten beschäftigt.
Seine Ankündigung, daß er sich nun mit einer Suchmaschine Wolfram alpha auf das Feld des Information Retreival begibt und seine Suchmaschine sowohl natürlichsprachliche Anfragen verarbeiten können als auch 'vernünftige' Resultate (semantische Suche) liefern soll, läßt wohl auch den ein oder anderen Computerlinguisten aufhorchen. Wolfram selbst nennt als Grundlage für seine Suchmaschine immer wieder sein Buch NKS, in dem es aber eigentlich nur um Automaten geht und nicht um Sprache oder Semantik.
Rechnen mit Automaten, wunderbar, aber wie wird seine Suchmaschine mit Sprache umgehen und 'semantisch' indexieren? Ansätze, wie das Textchaos im Netz zu bändigen ist gibt es inzwischen ebenso wie entsprechende (aber selten benutzte) Suchmaschinen. Ob alpha besser mit den Anfragen umgehen können wird, ob es bessere Ergebnisse liefert, bleibt beides abzuwarten.
Inzwischen hat Wolfram sein Programm öffentlich vorgestellt, als Suchmaschine im Netz wird alpha im Mai erscheinen. Im Netz wurde das Ding schon als Googlekiller gehyped und, wie es, wenn es um Rechner und ihren Umgang mit natürlicher Sprache eigentlich immer ist, sind die Erwartungen sehr hoch. Ich schätze mal, daß von diesen Erwartungen viele enttäuscht werden, da alpha natürlich eines nicht können wird: Den Benutzer verstehen. (Nur nebenbei: Wolfram schickt übrigens auch Menschen los, die das vorgefundene Textchaos zuerst aufarbeiten(!), um es für die Maschine zugänglich zu machen - baut Wolfram an seinem eigenen semantic web?).
Viele Erwartungen sind also ebenso überzogen und falsch wie die ein oder andere vollmundige Ankündigung. Daß sich hinter dieser semantischen Suchmaschine aber die geballte numerische Rechenleistung von Wolfram und seinen Automaten (und die Manpower seiner(?) Experten, die die Informationen aufarbeiten) versammelt, läßt trotzdem auf ein nützliches Tool hoffen.

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