20 Mai 2010

klick mir mal nen cent

"Bei Beginn des Predigtliedes (nach der Predigt) Klingelbeutel vom Altar holen und Klingelbeutel gemeinsam mit Lektor einsammeln" heißt es in der "Mesnerinfo" der Nazarethkirche München-Bogenhausen. Von nichts kommt halt nichts, also geht man mit dem Hut rum, neuerdings auch wieder im Netz. Und da es nicht reicht, wenn sich jeder Hinz und Kunz auf seinem Strickblog NonSense-Textanzeigen und bunten Werbemüll pappt und dazu vielleicht sogar noch bezahlte Werbetexte/-links spamt, kommt jetzt noch ein kleiner kotzgrüner Bettelbutton hinzu: flattr.
Nur Bares ist Wahres, also her mit den Penunsen! Hier, klick unter meinem Text mal da drauf und bezahl mich für den Sermon, den ich ins Netz stelle!
Mal abgesehen davon, daß von den ganzen Cents, die ihr Euch gegenseitig zusteckt, ein guter Teil bei der Verteilerstelle bleibt, muß denn alles immer finanziell gewürdigt werden, was ihr macht? Ist das das tolle neue Netz (2.0? 3.0?), ist das Eure Idee von "social", wovon ihr immer sprecht?
Da machen sich die alten Medien und tausende Werbeagenturen Gedanken, wie man mit dem Netz und Inhalten Geld verdienen kann, muß diese perspektivenvergessene Gier auch immer bis nach ganz unten durchschlagen? Nebenbei schreiben tausende die Wikipedia, andere pflegen Geodaten, schreiben Bastelanleitungen, Manuals und gute Software - alles ohne einen Pfennig dafür zu verlangen. Wie sähe es im Netz wohl aus, wenn jeder für seine Bemühungen gleich die Hand aufgehalten hätte? Die Inhalte wären hinter Bezahlschranken und in gated communities versteckt oder nie entstanden.
Ne, also lasst mal stecken, ihr müsst mir hier nichts überweisen, ich beschimpfe Euch auch für lau. Als Belohnung reicht mir eigentlich schon, daß ich es kann: Ich muß nicht an der Schreibmaschine sitzen und dann die schlecht kopierten Blätter überall in die Hausbriefkästen werfen...
Was verlange ich hier eigentlich (in eventueller "früher war alles besser"-Manier)? Idealismus? Ehrfurcht vor dem Netz? Ich weiß es nicht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß diese ganzen Monetarisierungs- und Professionalisierungsbestrebungen für das Netz eher schädlich sind, egal, was einem die Verkäufer immer erzählen wollen.

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