15 Juni 2009

fällt aus

...mein Versuch, mich als Streikbrecher zu bestätigen, darf als gescheitert betrachtet werden. Die Vorlesung, zu der ich mal so "unter Vorbehalt" erschienen bin, findet nicht statt. Es ist wahrscheinlich auch ebenso interessant, sich stattdessen auf dem Viehmarkt die öffentliche Vorlesung von Prof. Hamm zu den BA/MA-Abschlüssen anzuhören. Hoffentlich kann diese Veranstaltung mal ein wenig Interesse zu dem Thema (insbesondere bei den Studierenden, die es betrifft) wecken.
Nach der Vorlesung zieht dann um 14 Uhr die Demo los von der es - egal, wie viele anwesend sein werden - nachher wieder heißen wird, daß überhaupt nur ein Bruchteil der Studierenden teilgenommen hat, die Kritik an der Misere im Bildungsbereich also gar nicht so massiv sein kann, wie immer behauptet wird.
Bei den Studierenden ist es leider wie überall, oder vielleicht sogar noch schlimmer: Wenn man möchte, daß am Ende niemand zufrieden ist, muß man nur eine Aktion mit mehr als einem Teilnehmer starten. Mit dem Bildungsstreik sind auch viele unzufrieden. Hier und da hört man Kritik an den 'linken Chaoten, die Gebäude besetzen und sich überhaupt nur an der Uni sehen lassen um Rabatz zu machen und Bier zu trinken' und überhaupt sei die ganze Aktion ganz furchtbar von Vereinigungen unterwandert, die ihre antikapitalistische, anarchische oder sonstige Haltung verbreiten wollen.
Verwunderlich finde ich es nicht, daß der Bildungsstreik von Gruppen unterstützt wird, die sich z.B. auch sonst irgendwie sozialpolitisch engagieren, ebensowenig wie die Tatsache, daß diejenigen Studierenden, die in diesen Bereichen auch irgendwie aktiv sind mit zu den ersten gehören, die zur Organisation eines Streiks oder sonstigen Protestveranstaltungen beitragen.
Hier verwischen dann leider irgendwann die Grenzen: Neben den berechtigten Forderungen nach einer besseren Bildung ist dem einen dann die Kapitalismuskritik wichtig, der andere möchte vielleicht eigentlich nur "das faschistoide Bullenschweinesystem ficken" und ein Dritter lehnt die neuen Studiengänge vielleicht nur ab, weil er sich von der internationalen Globalisierungsmafia verfolgt sieht.
Um eine breite Basis für eine Protestaktion zu erreichen, muß man m.E. jedoch sehr rücksichtsvoll vorgehen und der Vorderungskatalog, den man aufstellt, muß minimal sein (was jedoch auch keine Musterlösung ist). Der ein oder andere z.B. Jungliberale reagiert nämlich sehr empfindlich darauf, wenn er an einer Demo teilnehmen soll, für die die trotzkistische Befreiungsfront ihre volle Unterstützung zugesagt hat. So etwas gipfelt dann in Anti-Bildungsstreiks, die dann wieder Anti-Anti-Bildungsstreiks hervorrufen und obwohl alle Beteiligten womöglich ähnliche hochschulpolitische Ziele verfolgen, löst sich alles in einem ideologischen Brei auf.
Dabei müsste man sich eigentlich irgendwo in der Mitte treffen, sich auf gemeinsame Ziele verständigen. Das Dilemma: Es führt zu nichts. Nimmt man solchen Aktionen jeglichen Aspekt der "Spaßveranstaltung", als welche sie von manchen kritisiert wird, wird sich die Teilnehmerzahl auf einige wenige beschränken. (Wie schwer Menschen zu mobilisieren sind, wenn ihnen nicht unmittelbar die Felle wegschwimmen, zeigt sich ja sehr schön an sinkenden Wahlbeteiligungen - aber das ist auch wieder eine andere Geschichte.)
Versucht man, einen Forderungskatalog aufzubauen, an dem niemand mehr etwas auszusetzen hat, wird man wohl vor einem weißen Blatt sitzen bleiben.
Wie protestiert man also 'richtig' i.S.v. 'erfolgversprechend'? Ich weiß es nicht. Ich kann mir aber vorstellen, daß hochschulpolitische Forderungen, die eine Hochschulgruppe gesittet und im kleinen Kreis im Hinterzimmer des gutbürgerlichen Gasthauses aufschreibt ebenso ungehört bleiben wie solche, die ein bierseeliger Linksaktivist barfuß im Park skandiert.

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