02 März 2010

flieg nicht zu hoch...

Die Damen und Herren in den roten Roben haben sich heute zusammengefunden und vor der Presse und den anwesenden Klägern erklärt, daß der Artikel 10 des GG tatsächlich noch bestand hat und dementsprechend die Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung in ihrer jetzigen Form verfassungswidrig und nichtig sind. Die bisher gesammelten Daten sind zu löschen.

Man stelle sich nur einmal vor, der Staat wäre in den 70er Jahren auf die Idee gekommen die Post anzuweisen, alle Adressen der Briefe, die man so verschickt und alle Telefonnummern, die man anwählt, aufzuschreiben und zu "den Akten" zu legen. (Welche Akten? Der Staat führt über mich und mein Privatleben eine Akte?) Die Menschen wären in Scharen protestierend auf die Straßen gelaufen, Terrorgefahr durch die RAF hin oder her. Ich glaube nicht, daß man es sich gefallen lassen hätte, "zur Gefahrenabwehr" wie ein Straftäter behandelt zu werden, ohne daß überhaupt eine Schuldvermutung vorliegt. Ich weiß nicht, ob man sich dieses Mißtrauen des Staates, das jeden Unbescholtenen zu einem potentiellen und zu beobachtenden Bösewicht abstempelt in dieser Form gefallen lassen hätte.

Heute stehen die Verbindungsdaten nicht mehr auf Papier, füllen nicht mehr riesige Aktenschränke und man braucht zur Auswertung auch keine personell aufgeblasene Bespitzelungsbehörde mehr. Heute sind die Verbindungsdaten virtuell, weniger haptisch, bestehen oft nur aus obskuren Zahlenketten und Speicherplatz ist eh billig. Man muß kein Verfassungsrichter sein um die Stirn darüber in Falten zu legen, ob eine verdachtsunabhängige komplette Speicherung aller Daten nicht dann aber doch dem Artikel 10 des GG widerspricht.

Als "schallende Ohrfeige für den Gesetzgeber" wird die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von so manchem jetzt bezeichnet, den Allmachtsphantasien über einen Zugriff auf jeden kommunikativen Schritt und Tritt der Bürger ist nun erstmal ein kleiner Riegel vorgeschoben. Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund.

Bei aller Freude der Datenschützer über diesen Etappensieg darf aber auch angemerkt werden, daß jene, die die verfassungswidrigen Gesetze auf den Weg brauchten, noch immer an den Hebeln sitzen - Ohrfeige hin oder her. Die Vorratsdatenspeicherung wird kommen, wenn auch in einer Form, die sich noch eben zwischen Bundesverfassungsgericht und Grundgesetz durchschieben lässt. Eine Ohrfeige von oben, von den Richtern, die auf Verlangen immer wieder die Verfassungsnonkonformität beschlossener Gesetze bestätigen, reicht nicht aus. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagt mir, daß den Bestrebungen, solche Gesetze wie die zur Vorratsdatenspeicherung zu erlassen, auch Konsequenzen folgen müssen. Diese Konsequenzen (also diese Ohrfeigen) müssen aber von unten kommen und sich sichtbar auf den Wahlzetteln niederschlagen.

(Man beachte zu diesem Thema bitte auch den lesenswerten Kommentar von Malte Welding, dem ich eigentlich nur zustimmen kann.)

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21 März 2007

1:0 n.V.

...heute Endspiel gegen einen 3,4m3 großen Schrank. Gewonnen. In dem Ding stecken jetzt mehr Schrauben als in einem Entenchassis - und alles ohne Akkuschrauber - autsch! Trotzdem: Operation gelungen, Patient tot, Arzt auch. Vorher noch eine DGK5 mit Buntstiften angemalt. Man fühlt sich dabei wie in die Grundschulzeit zurückversetzt. Malen nach Zahlen - oder halt nach Objektklassen.

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28 Februar 2007

Gewinnklasse 8

...ich war eben meinen Lottogewinn abholen. Die drei Richtigen ohne Zusatzzahl brachten stolze elf Euro fünfzig und ich bin einer der Glücklichen 1178944 Lottospieler, die diesen Betrag einstreichen durften. Natürlich habe ich meine Zahlen sofort wieder gespielt, beim Roulette lässt man ja auch einen Jeton auf seiner Gewinnzahl stehen - und der Jackpot ist ja schließlich auch noch nicht geknackt.

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24 Februar 2007

Ich heiße Erwin Lindemann...

...ich bin Rentner und 66 Jahre... mit meinem Lottogewinn von 500000 Mark mache ich erst einmal eine Reise nach Island, dann fahre ich mit meiner Tochter nach Rom und besuche eine Papstaudienz, und im Herbst eröffne ich dann in Wuppertal eine Herren-Boutique...
Naja, gut, zugegeben: Ich heisse weder Erwin noch Lindemann, bin weder 66 Jahre alt noch habe ich eine Tochter. Und leider hab' ich auch nicht 500000 Mark im Lotto gewonnen sondern wohl eher so um die 10 Euro und ein paar Gequetschte. Eigentlich hatte ich mir ja vorgestellt, daß nächste Woche ein Herr mit Köfferchen vor meiner Tür steht und mir dann bei einer Tasse Kaffee rät, ich solle doch bitte nicht alles auf einmal verprassen. Stattdessen bringe ich dann mal am Montag meinen Schein mit den 3 Richtigen an die Lottobude. Aber immerhin! Schließlich liegt die Wahrscheinlichkeit für 3 Richtige nach Hypergeometischer Verteilung irgendwo bei 1,7% oder so und einem gewonnenen Gaul schaut man nicht ins Maul. Ausgesorgt habe ich zwar noch nicht... aber mal sehen, was sich ergibt, wenn ich meine 10 Euro jetzt in die Spielbank schleppe...

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