29 Januar 2007

Apothekenschau

...die ganze letzte Woche habe ich damit verbracht, mir die hiesigen Innenstadtapotheken anzusehen. Manche sind wie Drogeriemärkte, der Verkaufstresen versteckt sich in einer hinteren Ecke, andere sind, wie man sich eine Apotheke vorstellt. In manchen wird man bemitleidet, in anderen gefragt, ob das Mittel, welches man zu kaufen beabsichtigt, bei einem nicht zufällig furchtbare Atemnot auslöst. Ich glaube, auf so ein Mittel würde ich nicht zweimal reinfallen, aber egal. Fast überall gibt es kleine Pröbchen, Tütchen oder ein Paket Taschentücher dazu. In der ersten Apotheke, in der ich noch bemitleidet wurde, gab es - neben dem Rat, ich solle mich schonen - vernünftigerweise Heiße Zitrone im Tütchen zum Aufbrühen umsonst dazu. Dies führte jedoch dazu, daß ich mir fast auch die Pferdesalbe, die Seife und die Brillenputztücher aus den anderen Apotheken aufgebrüht hätte. Man sollte halt nicht zwingend in jedem Zustand einem Haushalt vorstehen. Dinge, die während eines Hustenanfalls, der den ganzen Körper in Zuckungen versetzt, recht schwierig sind und/oder die man besser unterlässt sind außerdem: Heiße Getränke halten, auf Links klicken, ein Passwort eingeben, einen Getränkekarton öffnen, ein USB-Kabel anschließen, sich die Zähne putzen... und viele andere mehr...
(Bild: Eingang der Löwen-Apotheke, der ältesten Apotheke Deutschlands)

20 Januar 2007

LCD-Kunst oder so

...heute mal ein kleiner Klicktip als Spielerei für zwischendurch: Als damals die ersten Webcams aufkamen, gab es auch sofort die ersten, die Kaffeemaschinen, Aquarien oder sonstige Haustiere zeigten. Einen Schritt weiter in Richtung Kommunikations-Kunst (oder so) geht der Betreiber der Seite "The LCD webcam", bei dem die Webcam ein LCD-Display zeigt. Aber damit nicht genug - jetzt kommt der lustige Teil: Auf dem Display kann man über die Webschnittstelle von der Seite aus Nachrichten erscheinen lassen und so der Netzwelt via real-life-Zwischenstation Kommentare wie "soylent green is people!" hinterlassen - zwar nur für 10 Sekunden, aber immerhin. Eine recht sinnfreie digital-analog-digital-Umwandlung, um Daten zu übertragen, aber lustig*. Für mich ist das dann doch Kunst.

(*
Es soll ja aber auch Fälle geben, in denen (Text-)Daten erst ausgedruckt und später dann wieder eingescannt werden...)
(Info via "Keine Panik")

18 Januar 2007

Kyrill

...heute lohnt es sich wenigstens mal, sich die Satellitenbilder von Meteosat-8 (auf z.B. eumetsat.int) anzusehen. Der "rapidly developing storm crossing the Atlantic towards Europe" von gestern ist inzwischen ein "severe storm over Europe" und die Unwetterzentrale meldet für dieses Sturmtief "Kyrill" die höchsten Warnstufen - und zwar für das ganze Land. Die Wetterstation hier vor Ort meldet 998hPa fallend und Dank der Warmfront und der subtropischen Luft aus Südwesten eine Temperatur von fast 12°C - im Nordosten rollt derzeit eine Gewitterfront über das Land. Beim ZDF werden Vergleiche mit dem 1999er Tief "Lothar" angestellt und es wird über wegen umgestürzter Bäume entgleiste Züge berichtet - die Bahn hat wohl inzwischen den Fernferkehr und in NRW sogar den Regionalverkehr eingestellt. Die Windgeschwindigkeit beträgt hier immerhin fast 60km/h (in Böen bis zu 95km/h), anderswo liegt die Windgeschwindigkeit wohl noch um einiges höher und auch hier sollen es in der Nacht bis zu 120km/h werden. Aber über das Wetter redet man ja bekanntlich nur, wenn man sonst nichts zu sagen hat - oder man zufällig Meteorologe ist. Nur noch ein Tip zum Schluß, der evtl. schon etwas zu spät kommt: Wenn mein Auto unter der alten, morschen Dorflinde stehen würde, ich würde es vermutlich noch schnell umparken.
(Bild: Foto "Storm warning" (Ausschnitt) von Lars Trebing auf flickr.com, public)

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14 Januar 2007

Einbruchdiebstahl

..."und, bist du jetzt beleidigt, daß man dir nichts geklaut hat?" - Komische Frage. Und an sowas denkt man auch nicht, wenn man zusammen mit denen, die wider besseren Wissens trotz vorherigem Alkoholkonsum in ihr Auto gestiegen sind und sich haben erwischen lassen, nachts im Warteraum der Hauptpolizeiwache sitzt und die Jenseits von Jedem hört. Nein, man ärgert sich maßlos und ist geschockt. Nicht darüber geschockt, daß es passieren konnte sondern, daß es passiert ist. Man ärgert sich über die dreisten Diebe, die schulterzuckende Polizei, den Idioten, der möglicherweise die Außentür zu den Proberäumen aufgelassen hat und später dann darüber, daß man nun den anderen die Hiobsbotschaft verkünden muß, daß ihr Equipment weg ist. Viel später darf man dann wieder durchatmen und ein kleines bisschen froh sein, daß einem selbst nichts abhanden gekommen ist, das Gretsch noch da steht, wo es hingehört und man damit gewartet hat, sein ganzes Geld in neue, teure Becken zu stecken. Aber beleidigt sein, weil die Diebe das eigene Geraffel als zu wertlos eingestuft haben, um es mitgehen zu lassen? Nein, denn es spielt sich besser auf schlechtem Equipment, als auf gar keinem.

12 Januar 2007

Tageszeitung

...ich mag Tageszeitungen irgendwie - schließlich wüsste ich sonst kaum, warum ausgerechnet heute die Trauerbeflaggung am Dom gegen den durch die Gassen pfeifenden Sturm ankämpfen muß - Titelseite, Wirtschaft und Sport landen bei mir trotzdem beim ersten Durchblättern und Umsortieren immer hinten. Die wichtigen Infos des Tages holt man sich eh besser in der Tagesschau oder n-tv brabbelt sie einem abends aus dem Hintergrund vor. Ich bin - wie so viele - ein Lokalteilleser. Woher sollte ich sonst erfahren, daß die Studenten der Lebensmitteltechnik hier an der FH große Fortschritte in der Herstellung von glutenfreiem Bier aus Buchweizen, Gemüse-Fleisch-Eintopf im Glas oder Pulversekt gemacht haben? Trotzdem ärgert mich an den Tageszeitungen hin und wieder das Format. Wer hat denn noch Zeit, morgens bei einer Tasse Kaffee die übergroßen Bahnen gemütlich auf dem Frühstückstisch auszubreiten? So steht man also an der Bushaltestelle und versucht sich so hinzustellen, daß der Wind, der durch den Blätterwust fegt, einem noch einigermaßen das Lesen des ein oder anderen Satzes ermöglicht. Dicht gedrängt im ÖPNV macht das Durchstöbern der klitzeklein gefalteten Zeitung, die man jede Minute wenden und/oder umfalten muß, dann auch nicht so recht Spaß. Abends mag man das zerdrückte Druckerzeugnis dann auch nicht weiterlesen, denn da setzt man sich schließlich lieber hin und schaut dem TreeTagger dabei zu, wie er ein STTS-Tag nach dem anderen ausspuckt. Darauf einen Pulversekt!
(Foto von cheggy auf flickr.com, Some rights reserved)

11 Januar 2007

messing with the kid

Oh no – look at what you did
You can call it what you want
I call it messing with the kid
(Junior Wells)

...stellt man sich als normal denkender Mensch üblicherweise auf die Trasse eines Hochgeschwindigkeitszuges und behauptet "der letzte Eilzug hat versucht, mich zu überfahren, das hat er aber nicht geschafft, weil ich hier ganz super sicher positioniert bin" um sich dann von dem Nächsten überrollen zu lassen? Nein, sowas macht man nicht. Sehr lustig fand ich deshalb die heutige Meldung (z.B. bei heise.de) zum Thema StudiVZ. Bei seclog.de kann man sich das schöne Defacement ansehen. I call it messing with the hacker-kid.
(Info via YAMB.BETA2)

Einwohnerstatistik

...aus aktuellem Anlaß halte ich soeben die Einwohnerstatistik meiner Stadt digital 'in den Händen' und musste dabei feststellen, daß ich in einer der ganz wenigen Straßen wohne, in der es genauso viele Männer wie Frauen gibt, die Frauen damit aber natürlich unterrepräsentiert sind. Noch schlimmer ist das Geschlechterverhältnis im Stadtpark, der erstaunlicherweise einen (männlichen, deutschen) Einwohner zählt. Ob es sich hierbei um einen vergessenen Gärtner, einen alten Mann, der dort unter einem Stein wohnt, oder beides in Personalunion handelt, kann ich aus der Statistik nicht erkennen. Vielleicht fahr' ich besser mal hin und schau' selber nach. Böswillig wäre hingegen zu behaupten, dieser statistische Zweifelsfall hätte evtl. etwas mit der Bürgermeisterwahl zu tun.
Noch einen kleinen Tip angehängt: Sehr anschauliche Diagramme - jedoch meist nicht zur Bevölkerungsstatistik - gibt es bei Swivel und noch schönere bei Jessica Hagy.
(Diagramm: Einwohner nach Alter von 0 bis 99 u.ä. Jahren)

05 Januar 2007

Eindrittelwissen

...ist rechnerisch die Hälfte von Zweidrittelwissen und somit weniger als ein gepflegtes Halbwissen, Oblaten sind meist dünn und auf eben solchem Eis bewegt man sich besser vorsichtig oder gar nicht, wenn man auf das Einbrechen verzichten kann. Leicht soweit. Deswegen ist es mir unverständlich, wie man den Titel dieses Buches nicht verstehen kann - manchen Leuten scheint es jedoch so zu gehen ("ich suche nach den zwei Oblaten von der Kuttner"). Ich selbst habe mich ertappt, wie ich - und dies nicht zum ersten Mal - bei der Lektüre der Kuttner-SZ-Kolumnen eingenickt bin. Dabei gefällt mir die Schreibe durchaus, ich halte das Phrasendreschen auf Fragen zur Popkultur und dem Alltagsgeschehen jedoch für ein wenig einfach. Aber ist nicht nach Gerd Antos das Formulieren eh immer implizites Fragenbeantworten?* Ich versuche es hier nun auch mal explizit:
Was wird 2007 im Netz schlechter?
Der Trend wird weiter in die Richtung gehen, auch den unnötigsten Link mit snap/websnapr-Thumbnails zu unterlegen. Menschen, die sowas brauchen, sollen sich doch bitte eine entsprechende Browser-Erweiterung installieren.
Stichwort Emufarm?
Ja, die ersten zukünftigen Emufarmer sind hier dank Google und Co. schon eingetroffen.
(* war es Antos? Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege.)

04 Januar 2007

kein Jahresrückblick

...weil ich vergessen habe, ihn rechtzeitig online zu stellen. In dem Gewusel der Jahresrückblicke der letzten Wochen ist das wohl auch nicht weiter schlimm - manche Themen kennen mit Jahreswechsel eh kein Ende und schwappen fröhlich in das Nächste über. Wie z.B. die Sache mit dem StudiVZ der kleinen berliner Startup-Studenten-Community, die jetzt von ihrem großen Geldgeber komplett übernommen wurde. Ein Umstand, den die Parteisoldaten an der Front die Sektenanwerber die motivierten kostenlosen Mitarbeiter wohl nicht ganz so prickelnd finden. Irgendwie fällt mir bei sowas Wilfried Schmickler ein, der - in anderem Zusammenhang - mal vom "Medienschlachtvieh, daß seinem Schlachter nochmal die blutigen Stiefel leckt, bevor es ein letztes mal von ihm gef***t wird" (ganz frei aus grober Erinnerung zitiert) sprach.
(Bild: Pressefoto auf www.wilfriedschmickler.de)